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Flügel-Tage in der Bleckkirche „Für Michel Meynaud (1950-2016)“ – Mittwoch – 25. Mai 2022 – 20 Uhr

Flügel-Tage in der Bleckkirche
Für Michel Meynaud (1950-2016)
Zeitgenössische französische Musik
Mittwoch – 25. Mai 2022 – 20 Uhr
12,-/ erm. 8,- (bis 16 Jahre frei)
Bleckstraße, 45889 Gelsenkirchen

Kartenreservierung via Email: mail@bleckkirche.info

Der 1950 in Paris geborene Michel Meynaud gilt als einer der vielseitigsten und eigenwilligsten französischen Musiker und Komponisten der letzten Jahrzehnte. Als Dirigent, Pianist und Organist hat er zeitgenössische Komponisten wie Riley, Goursky, Dusapin oder Tanguy ebenso interpretiert wie Werke von Mozart, Wagner, Brahms, Bruckner oder Debussy. Als Komponist schuf er in den verschiedensten Gattungen über 700 Werke – viele davon noch ungedruckt und unaufgeführt.

Ausgebildet in Lausanne, München, Montreal und New York, entwickelte er eine sehr persönliche Tonsprache, die starke Kontraste in Dynamik, Klangdichte und Beweglichkeit erzeugt, von einer Vorliebe zu kleinen, mitunter aphoristischen Formen zeugt und häufig auch das plötzliche Verstummen, die Erstarrung von Klängen inszeniert. Meynaud trat oft in Deutschland auf. In Zusammenarbeit mit Jérôme Savary brachte er in den 1970er Jahren am Bochumer Schauspielhaus das Musikspektakel „Courage, die Zigeunerin“ heraus. 2016 verstarb der Musiker mit nur 66 Jahren in seiner Geburtsstadt.Anlässlich seines 70. Geburtsjahres Im Januar 2020 sendete der SWR 2 im Januar 2020 ein etwa einstündiges Porträt Meynauds aus der Feder des Berliner Journalisten Philipp Quiring, der sich mit Meynauds hinterlassenem Oeuvre eingehend beschäftigt hat und auch ein erstes Verzeichnis seiner Werke erstellte.

Das im selben Jahr geplante Konzert zu Ehren des bedeuteten Musikers in der Bleckkirche musste Pandemie bedingt ausfallen und wird nun nachgeholt. So erklingt am 25. Mai 2022 ein Kammerkonzert mit einer Auswahl von Klavierwerken Meynauds aus vier Jahrzehnten, die der Pianist Rainer Maria Klaas bereits Ende 2020 beim SWR eingespielt hat.

Die renommierte Hannoveraner Geigerin Elisabeth Kufferath wird zudem eine Sonate für Violine solo von Meynaud zur Uraufführung bringen. Zusammen mit Klaas spielt sie darüber hinaus die Violinsonate von Claude Debussy, einem der Ahnherren der neuen französischen Musik.

Als Kommentator des Programms wird der Meynaud-Fachmann Philipp Quiring erwartet.

Veranstaltungsort:

Bleckkirche
Bleckstraße, 45889 Gelsenkirchen

Wir bitten Sie um Ihre Mithilfe

Sollten Sie über Informationen zur Biografie und Werk von Michel Meynaud verfügen, würden wir uns freuen wenn Sie uns diese über mail@michelmeynaud.de zur Verfügung stellen. Ebenfalls sind wir sehr an Fotografien, Videos oder Tondokumenten interessiert. Besonders wichtig sind uns Original-Noten, von denen einige verschollen erscheinen.

Miniatur über ein Faust-Zitat

Unter den Werken für Violoncello befindet sich ein unglaublich kurzes Stück, welches das Faust-Zitat „Habe nun ach…“ als Titel trägt. So kurz wie es ist soll es auch noch lebhaft vorgetragen werden. Eine Herausforderung!

VCS 2
Miniature Pour Violoncelle „Habe nun ach…“
Vif
Entstehung: Brilon, 23. Juni 1983 bis 5. Juli 1983 Malaucene

Interessanter Fund

Beim Sichten des Nachlasses von Michel Meynaud finden sich schon mal interessante Dinge, die man nicht unbedingt erwarten würde. Michel hat von Zeit zu Zeit auch noch eine andere weniger öffentliche Passion ausgeübt – die Malerei.

Herkulesaufgabe

Der Künstlerische Nachlass von Michel Meynaud war bei seinem Ableben vollkommen ungeordnet. Georg Witteler unternimmt die Herkules-Aufgabe das Notenmaterial zu sichten, zu sortieren und zu katalogisieren. Damit die Noten für die interessierte Öffentlichkeit zugänglich wird, scannt er alle Noten ein und veröffentlicht dann die erfassten Werkgruppen auf dieser Hompage. Philpp Quiering hat dafür großartige Vorarbeit geleistet. Ihm Rahmen der Vorbereitung eines Radioportraits über Michel für den SWR2, hat er über 70 KG Notenmaterial gesichtet und erfasst.

Georg Witteler beim sortieren des Notenmaterials. Foto: Stefan Emondts

Aktuell wartet noch eine ganze Platte mit Kartons darauf warten gesichtet zu werden. Da die Familie für die erste Auswahl eine grobe Vorsichtung vorgenommen hatte, ist damit zu rechen, dass es sich bei den nun zu prüfenden 168 KG Material vor allem um Dubletten oder unvollendete Skizzen handelt. Dennoch bleibt die Hoffnung, dass sich fehlende Noten darunter finden. Besonders schmerzlich vermissen wir noch das 2. Klavierkonzert, welches Michel Meynaud mit der kanadischen Pianistin Michelle Roy und den Nürnberger Sinfonikern für die Schallplatte aufgenommen hatte.

Ein „Cross-Interview“

Michel Meynaud hat viele Werke für Blockflöte geschrieben. In kürze wird das Verzeichnis seiner Werke für diese Instrumente hier veröffentlicht. 1997 erschien in der Zeitschrift „Windkanal“ ein Artikel in dem sich Johannes Fischer(Blockflötist) Michel Meynaud gegenseitig im Strasburger Konservatorium interviewen.

1. Preis beim Kompositionswettbewerb

1973 gewann Michel Meynaud den 1. Preis beim Wettbewerb für junge Komponisten des Orchestre de Chambre Pierre Morin. Am 25. März 1973 wurde das Adagio für Kammerorchester im Grand Théâtre de Québec uraufgeführt.

Die Eule

Fund auf dem Notenblatt des Cembalostücks „Le Smith“

Die Eule war das Lieblingstier von Michel Meynaud. Er hatte ein große Sammlung von Eulenfiguren. Diese von ihm selbst gekritzelte Eule taucht auf der linken oberen Ecke eines Cembalostücks auf. Eine ganz spezielle persönliche Signatur.

SWR2 JetztMusik

Schubladen – Der Komponist Michel Meynaud

Von Philipp Quiring

Michel Meynauds Wille, Musik zu schreiben, ist enorm gewesen. Mehr als 90 Kilogramm Notenmaterial hat der französische Komponist hinterlassen, als er 2016 starb. Das meiste davon wurde allerdings nie aufgeführt. Die wenigen Versuche, die er unternahm, um sein Werk zu verbreiten, scheiterten. Auch seiner 2. Sinfonie „Nos octobres“ zum 70. Jahrestag der Oktoberrevolution wurde trotz persönlicher Vorstellung in der Sowjetunion kein Gehör geschenkt. Meynaud war dennoch der Auffassung, dass seine Zeit kommen werde. Heute nehmen sich Musikerinnen und Musiker vielfach seiner Stücke an.

Sendung vom Mo, 6.1.2020 23:03 Uhr, SWR2 JetztMusik, SWR2