Aktuell

Cembalist in Montreal

Cembalist in Montreal

Der Blockflötist und Komponist Nicholas Goursky erinnert sich an seine Zeit mit Michel Meynaud:

„Wir hatten ein Ensemble (Blockflöte, zwei Violinen und Cembalo) namens „Consortium de Montréal” gegründet, das ein Konzert von Vivaldi in a-Moll, RV 108, und ein Quartett von Telemann in G-Dur, TWV 43:G6, aufgenommen hat. Ich glaube, wir haben auch den Kanon von Pachelbel in D-Dur aufgenommen. Diese Aufnahmen wurden am 20. August 1972 in der Sendung „Banc d’essai” von Radio Canada ausgestrahlt.

Michel und ich gaben außerdem ein Konzert in der Christ Church Cathedral in Montréal, bei dem wir unter anderem eine Sonate von Telemann in d-Moll für Blockflöte und Continuo (TWV 41:d4) und Bachs „Fuga Canonica in Epidiapente” aus dem Musikalischen Opfer aufführten.“

Aufführung der Sinfonietta „Shibumi“ vor dem japanischen Kronprinzenpaar

Aufführung der Sinfonietta „Shibumi“ vor dem japanischen Kronprinzenpaar

 

1996 wurde die Sinfonietta „Shibumi“ für 10 Cellisten von Michel Meynaud, bei der Tournee des Ensembles „Cellisime“ in der Gegenwart des damaligen Kronprinzen- und heutigen Kaiserpaars, in der Tokioter Asahi-Hamarikyu-Hall aufgeführt.

 

 

Michel Meynaud beschrieb im Programmheft der Aufführung das Stück folgendermaßen: „Meine SINFONIETTA („SHIBUMI“) für 10 Celli wurde von 1986 bis 1996 komponiert und ist ein Werk, das von der Schönheit spricht, von der Komplexität ihrer Nuancen und Geschmäcker, vom stürmischen Charakter ihrer Suche und vom friedlichen Glück ihrer Betrachtung. Das Stück, ein Auftragswerk des Ensembles CELLISSIME, ist Marc-Didier THIRAULT gewidmet.“

 

Vor der Japan-Tournee präsentierte das Ensemble sein Programm im Conservatoire de Musique de Laon. Im nebenstehenden Artikel bemerkt der Autor über „Shibumi“:

„… ein komplexes Werk mit seltsamen und extravaganten Klängen. Fantasie eines Quartetts über Strauss-Melodien und Westernmusik, die aus vielfältigen Variationen besteht, sowohl instrumental und vokal als auch gestisch und mimisch, und ein sowohl klangliches als auch visuelles Spektakel bietet.

Flügel-Tage in der Bleckkirche „Für Michel Meynaud (1950-2016)“ – Mittwoch – 25. Mai 2022 – 20 Uhr

Flügel-Tage in der Bleckkirche „Für Michel Meynaud (1950-2016)“ – Mittwoch – 25. Mai 2022 – 20 Uhr

Flügel-Tage in der Bleckkirche
Für Michel Meynaud (1950-2016)
Zeitgenössische französische Musik
Mittwoch – 25. Mai 2022 – 20 Uhr
12,-/ erm. 8,- (bis 16 Jahre frei)
Bleckstraße, 45889 Gelsenkirchen

Kartenreservierung via Email: mail@bleckkirche.info

Der 1950 in Paris geborene Michel Meynaud gilt als einer der vielseitigsten und eigenwilligsten französischen Musiker und Komponisten der letzten Jahrzehnte. Als Dirigent, Pianist und Organist hat er zeitgenössische Komponisten wie Riley, Goursky, Dusapin oder Tanguy ebenso interpretiert wie Werke von Mozart, Wagner, Brahms, Bruckner oder Debussy. Als Komponist schuf er in den verschiedensten Gattungen über 700 Werke – viele davon noch ungedruckt und unaufgeführt.

Ausgebildet in Lausanne, München, Montreal und New York, entwickelte er eine sehr persönliche Tonsprache, die starke Kontraste in Dynamik, Klangdichte und Beweglichkeit erzeugt, von einer Vorliebe zu kleinen, mitunter aphoristischen Formen zeugt und häufig auch das plötzliche Verstummen, die Erstarrung von Klängen inszeniert. Meynaud trat oft in Deutschland auf. In Zusammenarbeit mit Jérôme Savary brachte er in den 1970er Jahren am Bochumer Schauspielhaus das Musikspektakel „Courage, die Zigeunerin“ heraus. 2016 verstarb der Musiker mit nur 66 Jahren in seiner Geburtsstadt.Anlässlich seines 70. Geburtsjahres Im Januar 2020 sendete der SWR 2 im Januar 2020 ein etwa einstündiges Porträt Meynauds aus der Feder des Berliner Journalisten Philipp Quiring, der sich mit Meynauds hinterlassenem Oeuvre eingehend beschäftigt hat und auch ein erstes Verzeichnis seiner Werke erstellte.

Das im selben Jahr geplante Konzert zu Ehren des bedeuteten Musikers in der Bleckkirche musste Pandemie bedingt ausfallen und wird nun nachgeholt. So erklingt am 25. Mai 2022 ein Kammerkonzert mit einer Auswahl von Klavierwerken Meynauds aus vier Jahrzehnten, die der Pianist Rainer Maria Klaas bereits Ende 2020 beim SWR eingespielt hat.

Die renommierte Hannoveraner Geigerin Elisabeth Kufferath wird zudem eine Sonate für Violine solo von Meynaud zur Uraufführung bringen. Zusammen mit Klaas spielt sie darüber hinaus die Violinsonate von Claude Debussy, einem der Ahnherren der neuen französischen Musik.

Als Kommentator des Programms wird der Meynaud-Fachmann Philipp Quiring erwartet.

Veranstaltungsort:

Bleckkirche
Bleckstraße, 45889 Gelsenkirchen

Wir bitten Sie um Ihre Mithilfe

Wir bitten Sie um Ihre Mithilfe

Sollten Sie über Informationen zur Biografie und Werk von Michel Meynaud verfügen, würden wir uns freuen wenn Sie uns diese über mail@michelmeynaud.de zur Verfügung stellen. Ebenfalls sind wir sehr an Fotografien, Videos oder Tondokumenten interessiert. Besonders wichtig sind uns Original-Noten, von denen einige verschollen erscheinen.

Miniatur über ein Faust-Zitat

Miniatur über ein Faust-Zitat

Unter den Werken für Violoncello befindet sich ein unglaublich kurzes Stück, welches das Faust-Zitat „Habe nun ach…“ als Titel trägt. So kurz wie es ist soll es auch noch lebhaft vorgetragen werden. Eine Herausforderung!

VCS 2
Miniature Pour Violoncelle „Habe nun ach…“
Vif
Entstehung: Brilon, 23. Juni 1983 bis 5. Juli 1983 Malaucene

Interessanter Fund

Interessanter Fund

Beim Sichten des Nachlasses von Michel Meynaud finden sich schon mal interessante Dinge, die man nicht unbedingt erwarten würde. Michel hat von Zeit zu Zeit auch noch eine andere weniger öffentliche Passion ausgeübt – die Malerei.

Herkulesaufgabe

Herkulesaufgabe

Der Künstlerische Nachlass von Michel Meynaud war bei seinem Ableben vollkommen ungeordnet. Georg Witteler unternimmt die Herkules-Aufgabe das Notenmaterial zu sichten, zu sortieren und zu katalogisieren. Damit die Noten für die interessierte Öffentlichkeit zugänglich wird, scannt er alle Noten ein und veröffentlicht dann die erfassten Werkgruppen auf dieser Hompage. Philpp Quiering hat dafür großartige Vorarbeit geleistet. Ihm Rahmen der Vorbereitung eines Radioportraits über Michel für den SWR2, hat er über 70 KG Notenmaterial gesichtet und erfasst.

Aktuell wartet noch eine ganze Platte mit Kartons darauf warten gesichtet zu werden. Da die Familie für die erste Auswahl eine grobe Vorsichtung vorgenommen hatte, ist damit zu rechen, dass es sich bei den nun zu prüfenden 168 KG Material vor allem um Dubletten oder unvollendete Skizzen handelt. Dennoch bleibt die Hoffnung, dass sich fehlende Noten darunter finden. Besonders schmerzlich vermissen wir noch das 2. Klavierkonzert, welches Michel Meynaud mit der kanadischen Pianistin Michelle Roy und den Nürnberger Sinfonikern für die Schallplatte aufgenommen hatte.

Ein „Cross-Interview“

Ein „Cross-Interview“

Michel Meynaud hat viele Werke für Blockflöte geschrieben. In kürze wird das Verzeichnis seiner Werke für diese Instrumente hier veröffentlicht. 1997 erschien in der Zeitschrift „Windkanal“ ein Artikel in dem sich Johannes Fischer(Blockflötist) Michel Meynaud gegenseitig im Strasburger Konservatorium interviewen.